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Archiv für den Monat Dezember 2012

Volontariat des Lebens

In unserer Vorbereitung wurde uns immer wieder gesagt, dass das eigentliche Volontariat eigentlich erst nach unserem Jahreseinsatz im Projektland beginnen würde.

„Das eigentliche Volontariat beginnt nach dem Volontariatseinsatz.“

Jetzt kann ich es bestätigen.

Seit 3. September bin ich zurück in Österreich. Kaum am Flughafen in Wien angekommen ging alles sehr schnell – vielleicht sogar ein bisschen zu schnell. Nach Hause, Geburtstagsfeier, Schlafen, Studieninskription und Wohnungsschlüsselübergabe in Graz, Umzug, Studienbeginn,…

Vielleicht war es aber auch gut, dass ich gerade in dieser ersten, teils schwierigen Zeit nach meiner Rückkehr nicht die Zeit hatte, mir über all die echt krassen Unterschiede zu viele Gedanken zu machen.

Mittlerweile setze ich mich täglich damit auseinander und genieße trotzdem, wenn nicht sogar deshalb, mein Leben in vollen Zügen.

An manchen Tagen fühle ich mich hilflos und klein und dann fällt es mir auch schwer über mein Volontariat mit Fremden zu sprechen, weil es mir einfach unmöglich vorkommt, all die Eindrücke halbwegs wahrheitsgetreu vermitteln zu können.

Es freute mich natürlich sehr, als ich die Einladung bekam, in meiner ehemaligen Hauptschule 2 Projekttage mit der 2. und 3. Klasse zu machen. Die Vorbereitung und dann vor allem das Beantworten der so einfach klingenden Kinderfragen war jedoch alles andere als ein Kinderspiel.

Im Februar werde ich wieder für 3 Wochen nach Äthiopien fliegen. Dieses Mal alleine und auf eigene Faust.  Ich weiß noch nicht ob ich in meinem ehemaligen Projekt vorbeischaue. Einerseits ist es möglicherweise schwierig für die neuen Volontäre und andererseits fällt auch mir ein Wiedersehen verbunden mit einen kurz danach folgendem Abschied sicherlich nicht leicht. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, 20 Fußballschuhe (egal ob bereits getragen) für meine Fußballmädls, die zur Zeit ja schon ziemlich professionell unterwegs sind, mitnehmen zu können. Auch ein paar Bälle sind ein muss.

Da sich das ganze mit meinem Studentenbudget jedoch nicht ganz vereinbaren lässt, wäre ich über jede Fußballschuh- oder auch Fußballspende froh und sehr dankbar.

Nicht mehr gebrauchte Fußballschuhe zuhause?
– benachteiligten Fußballmädls aus Äthiopien helfen!

Ich denke oft an „meine“ Kinder, Schüler und besonders Freunde in Äthiopien. Von den meisten habe ich keine Ahnung wie es Ihnen geht, ob sie halbwegs über die Runden kommen, ob sie glücklich sind. In diesen Momenten kommt mir mein Leben, vor allem aber meine Probleme und Herausforderungen, hier in Österreich, lächerlich und klein vor.

Ich muss mir dann immer wieder sagen, dass es ja eigentlich sogar noch mehr „Verarsche“ (sorry für die Wortwahl, trifft´s aber am Besten) wäre, wenn ich dann über mein Leben in Luxus und Überfluss auch noch Trübsal blasen würde. Sehe wieder das überwiegende Positive und versuche möglichst vielen ein Lächeln zu schenken.

Ja, ich habe mit meinem Leben so richtig Glück, ohne irgendetwas Maßgebliches dafür getan zu haben. Die meisten Menschen haben dieses Glück nicht. Dies ist nicht meine Schuld, aber irgendwie fühle ich mich verpflichtet wenigstens ein bisschen was von meinem Glück weiterzugeben.

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Verfasst von - Dezember 5, 2012 in Uncategorized