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Archiv für den Monat August 2012

lang nix mehr lesen lassen …

Nach 4 monatier Schreibpause, schaff ichs endlich wieda mal a paar Eindrücke und Neuigkeiten aus meinem Volontariat niederzuschreiben. Was hat sich getan?

Wie erwartet ist das 2. Halbjahr viel zu schnell vergangen und nun verbleiben nur noch 3 Wochen. Bis Anfang Juni unterrichtete ich wie gewohnt Spoken English an der Primary (VS), Junior (HS) und Don Bosco High School in Zway. Dann hieß es wieder einmal beurteilen. 400 Schülern eine möglichst fairen Prozentsatz (in Äthiopien gibts Prozent und keine Noten) zu geben war auch im 2. Semester nicht leicht. Doch ich hatte aus meinen Fehlen vom 1. Semester gelernt und war schon darauf eingestellt, dass viele Stunden ausfallen werden. So hatte ich dann zum Glück genügend Tests, Hausübungen und Mitarbeitspunkte um zu einem Prozentsatz zum kommen.

Anfang Juli schlossen Anne und ich den English Unterricht im Egisera-Projekt mit einer Competition ab. Unsere 4 Gruppen (je ca. 10 Schülerinnen) gaben mit einem Englisch Lied, einer Konversation, einem Grammerteil und im Volleyball ihr bestes.
Mitte Juli hatte ich dann auch mit meinen 5 IT Gruppen im Egisera-Projekt die letze Stunde.

Besondere Freude machte mir der Besuch miener Familie Mitte Juli. Nach dem ich ihnen mein Projekt und Zway zeigte erkundigten wir für 8 Tage den Süden Äthiopiens, der echt einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Kaum von der Familie verabschiedet startete auch schon die Summer School mit Tutorial Classes an vier Vomittagen pro Woche für 1.-8. Klässler (VS und HS). Auch hier unterrichte ich Spoken English. Vorallem die 1. Und 2. Klassen sind eine neue Herausforderung. Bereitet mir aber sehr viel Freude und die Kinder sind wie immer zum fressen süß, auch wenn sie nicht immer „Vorzeige-Schüler“ sind.

An allen Nachmittagen finden im Oratorium (eine Art Jugendzentrum) Competitions und Spiele für die Kinder statt. Also immer „Full-House“. 🙂 Mittwoch und Sonntag Nachmittags fahren wir auch nach Dida (kleines Dorf in der kompletten Pampa) und organisieren dort Spiele für ca. 700 Kinder.

Dida ist mir in diesem Jahr besonders ans Herz gewachsen. Zum einen durch die enorme Herzlichkeit der Menschen und zum anderen finde ich es einfach bewundernswert wie man in einer kleinen Lehmhütte ohne Strom oder fließendes Wasser so glücklich und zufrieden sein kann. Besonderen Respekt habe ich vor Zemzem, einer sehr guten Freundin von mir, di auch in einer kl. Lehmhütte (durchmesser 2m) in Dida wohnt und mit ihren 19 Jahren hochschwanger ist. Obwohl sie und ihr Freund weder 1€ Ersparnisse noch Arbeit haben, strahlen beide über s´ganze Gesicht und freuen sich schon sehr auf ihr gemeinsames Kind. Echt bewundernswert.

Ohhh.. mein Gott. Ich war gerade beim schreiben dieses Blogeintrages und es war in etwa 2:00 in der Nacht, als ich plötzlich ein lautes Klopfen hörte. Zuerst dachte ich, dass nur wieda irgendein großer Vogel am Dach ist, doch nach ein paar Minuten kamen schon die Italienischen Volontäre und fragten mich ob ich das Klopfen auch gehört habe. Wir hörten den Wachmann Hannah rufen und Giacomo (Langzeitvolontär, hauptverantwortlich fürs Tokuma Projekt) ging rauß um ihn zu fragen was den los sei. Es stellte sich herauß das Hannah Lema, ein 19 jähriges Mädchen das seit 5 Monaten im Tokuma Projekt arbeitet, in den Wehen lag und dringen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Giacomo und ich fuhren schnell zu ihrem Haus und brachten sie gemeinsam mit 2 Frauen aus Hannas Nachbarschaft ins Share Ethiopia Hospital. Wir stützen sie die ganze Zeit, da ihr jegliche Bewegung sehr schwer viel. Um ca. 3:00 Nachts waren wir im Krankenhaus. Die Krankenschwester meinte, dass es noch ca. 8 stunden dauern würde, bis sie gebärt. Nachdem Giacomo 1000 birr, also die Kosten fürs Gebären bezahlt hatte, fuhren wir wieder nach Hause, Hannahs Nachbarinnen blieben bei ihr. Heute, Sontag Morgen, hat sie bereits ein gesundes Kind zur Welt bekommen. 🙂

Das Share Ethiopia Hospital ist das einzige Krankenhaus in Zway, es ist jedoch ein privates Krankenhaus. Deshalb werden nur die Patienten behandelt die es sich auch leisten können. Alle gebärenden Frauen müssen zuerst 1000 birr bezahlen um überhaupt in Behandlung zu kommen. Nach einer Geburt ohne jegliche Komplikationen und mit sofortiger Entlassung bekommen sie 300 birr der 1000 im Voraus bezahlten birr wieder zurück. Falls Komplikationen auftreten, kann eine Schwangerschaft bis zu 3000 birr kosten. Auch dies muss vor der Operation/Geburt bezahlt werden. 3000 birr entspricht jedoch 6 Monatlöhne einer Köchin oder einen Jahreslohn einer Kellnerin. Giacomo erzählte mir, dass vor einem Monat eine junge Frau aus Mekki (kleine Stadt, Nähe von Zway) im Share Hospital lag und ihn um Unterstützung bat. Ihr Kind im Mutterleib war bereits tot, doch für die Operation um das tote Baby herauszuholen musste sie 3000 birr bezahlen. Da sie jedoch weder Mann, noch Familie geschweige den Geld hatte, konnte sie sich das nie und nimmer leisten. Hätte sie also niemanden der ihr helfen würde, wäre nicht nur ihr ungeborenes Kind gestorben, sonder auch sie selbst. Wie verzweifelt die Frau gewessen sein muss, kann man sich nicht vorstellen.

Hannah kann sich sehr glücklich schätzen, da das Tokuma Projekt für sie die Kosten übernimmt. Zu ihrer Familie, die in Saudi-Arabien lebt, hat Hannah keinen Kontakt. Ihr Mann starb vor 5 Monaten, er wurde von einem Minibus überfahren. Zu diesem Zeitpunkt war Hannah bereits im 4. Monat schwanger. In Äthiopien kommt es nicht selten vor, dass Schwangere Frauen von ihren Männern verlassen werden, da diese die Verantwortung nicht tragen wollen oder können. Rein theoretisch würde ihnen laut äthiopischem Recht Unterstützung zustehen, in der Praxis sind sie jedoch auf sich alleine gestellt.

Freue mich schon den kleinen zu sehen. 🙂

Wünsch euch noch einen schönen und entspannten Sommer. Denkts halt ab und zu dran welch Glück wir haben und schätzts und genießts euer Leben – is ja doch ned alles selbstverständlich.

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Verfasst von - August 12, 2012 in Uncategorized