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Archiv für den Monat April 2012

Die Zeit wird zu kurz!!!

Die Zeit wird zu kurz!!!

Meine Zeit, hier in Äthiopien wird einfach viel zu kurz. Viel zu glücklich bin ich hier und noch viel zu viele Projekte möchte ich  verwirklichen. In nur mehr 4 Monaten geht es wieder zurück nach Hause. In eine Welt des Wohlstands und der unwesentlicher Probleme.
Nicht, dass ich Österreich nicht schätzen würde, im Gegenteil, erst jetzt ist mir bewusst geworden wie viel mir an meiner Heimat liegt und wie glücklich ich mich doch schätzn kann in Österreich geboren zu sein. Doch gerade bei der Zufriedenheit der Menschen, beim täglichen Lächeln und vor allem beim „Sich zeit nehmen“ ist uns Äthiopien weit voraus.

Mittlerweile werde ich schon mehr und mehr als „Einheimische“ angesehen, die „Ferentschi-Rufe“  sind schon selten und auch angebettelt werde ich kaum noch. Umso öfter werde ich auf Kaffeezeremonien oder zum Essen zu jemanden nach Hause eingeladen. Egal wo und wann man bekannte Gesichter trifft, die Leute nehmen sich immer Zeit mit einander zu reden, zu fragen wie es einem, der Familie so geht.

Es ist mir schon des öfteren passiert, dass ich nach dem Unterrichten noch mit einigen der „Egisera-Mädls“ spazieren ging, und sie mich dabei immer wieder auf meinen viel zu schnellen Gang hinwiesen. Mittlerweile hab ich „das äthiopiesche-dahinschländern“ aber schon halbwegs drauf.

In der letzen Zeit unterrichtete ich sehr viel, da ich alle Supplierstunden ubernahm, die ich nur irgendwie übernehmen konnte. Denn gerade beim Unterrichten wird mir bewusst wie schnell die Zeit vegeht. In nur 2 Wochen werde ich die letzte Stunde mit meinen Highschool Schülern haben. Kurz darauf folgt auch der Schulschluss der Junior und Primary School. Doch gerade jetzt habe ich einen sehr gute Verbindung zu meinen Schülern aufgebaut, weiß was sie noch lernen sollen und was sie noch lernen wollen. Weiß welche Schüler sehr motiviert und welche eher zum Unterricht motviert werden müssen.

 

Noch 4 Monate habe ich Zeit, alles zu geben und vieles zu erleben. Darum will ich jetzt auch gar nicht in Wehmut verfallen, sondern werde einfach jeden Moment genießen und versuchen möglichst vielen Kindern ein Lächeln in Gesicht zu zaubern.

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Verfasst von - April 30, 2012 in Uncategorized

 

Hefte, Bücher, Brot und Unterricht

Nach einem spannenden und arbeitsintensiven ersten Monat zurück in Zway, nehme ich mir nun wieda einmal Zeit, ein paar meiner vielen Eindrücke niederzuschreiben.
Im letzten Monat war ich, neben dem Unterrichen, vorallem mit ein paar Projekten, die ich mit den Spendengeldern verwirklichen kann, beschäftigt.

So kaufte ich Hefte für die Kinder in Dida, 250 Bücher für die Bibliothek der Junior School, 2 Volleyballnetze und die 3 Tischfussballtische wurden repariert und sind nun wieder im vollen Einsatz. Das größte Projekt war aber sicher die Neudeckung der Jausenhütte vor der Primary School. Nachdem wir das alte Gras und den „Dachstuhl“ entfernten, wurde das Dach mit Schilff neu gedeckt. Die Arbeiter leisteten ganze Arbeit, nur eine Woche brauchten sie um das Dach wieder ansehlich und vorallem regensicher zu machen. Für mich war es sehr interessant und aufregend die Lohnverhandlungen mit den Arbeitern auf Amharisch zu machen und die Holzstäbe und das Schilff am lokalen Markt zu kaufen.

Nun bin ich aber echt froh, dass die Arbeiten an der Hütte so gut wie abgeschlossen sind, denn gestern startete ich, gemeinsam mit Anne, ein neues Projekt.
Einige der Schüler an der Don Bosco Schule sind sehr arm und brauchen besonders in Notsituationen, (z.B.: ein Elternteil ist schwerkrank und das Geld für die Medikamente fehlt) dringend Hilfe von außen. In der High School konnten die Schüler bisher einfach in alle Klassen gehen und ihre Mitschüler um Spenden bitten. Dies ist, wie man sich vorstellen kann, aber nicht gerade das Angenemste und für die Schüler sehr schwierig. An österreichs Schulen gibt es für hilfsbedürftige Schüler meist Hilfe vom Elternverein. Da es solchen hier leider nicht gibt, kam mir die Idee mit einer Schulfotoaktion Geld für einen Solidaritätstopf zu sammeln. So können hilfsbedürftige Schüler einfach bei Ato Gebre, Dirketor der High School, um Hilfe ansuchen.

Gestern gingen wir in alle Klassen um ihnen die Idee der Fotoaktion, also das jede Klasse ein Klassenfoto macht und die Schüler auf Wunsch auch Einzel- und Freundschaftsfotos machen können, vorzustellen. Die Schüler waren sehr begeistert.
Anschließend ging ich gleich zum Photodruckgeschäft um mit Tameru, dem Besitzer, einen guten Preis auszumachen. Den bekam ich auch. So kostet ein Klassenfoto (10x15cm) 2 birr, Einzelfoto od. Freundschaftsfotos gr. (10x15cm) 2 birr und 8 Passfotos 3 birr. (1Euro = 22birr) Klassenfotos und Freunschaftsfotos werden um 5 birr angeboten und das Set gibts um 15 birr. Insgesamt müsste ein Gewinn von ca. 1500 birr in den Solidaritätstopf kommen.
Am kommenden Montag starten wir mit dem photografieren der 9ten Klassen, bin schon gespannt wie´s wird.  Wenn´s an der High School gut funkioniert, werden wir auch an der Junior School und der Primary School eine Fotoaktion durchführen.

Das Unterrichten bereitet mir mehr Freude als je zu vor, auch wenn es vor allem in der High School manchmal auch sehr anstrengend ist. Das Klischee, dass in Afrika alle Schüler die Schule so schätzen und deshalb kleine Engerl sind, bestätigt sich in der High School leider oder auch zum Glück (sonst wärs ja keine Herausforderung. 😉 ) nicht. Im Alter von 15 – 18 Jahren, hat man einfach anderes im Kopf, als dem Unterricht immer aufmerksam zu folgen. Nach dem ich den 9ten Klassen ein paar mal ins Gewissen redete („ich liebe es euch zu unterrichten und glaube auch, dass es für euch sehr hilfreich und wichtig ist, doch wenn ihr im Unterricht weiter stört wie bisher, finde ich mir sicherlich auch eine andere Beschäftigung,…“), beschloss ich nun einfach einen auf „strenge Lehrerin“ zu machen, was sehr gut funktioniert. Natürlich wird zwischendurch auch viel gelacht, doch wenn ich will, dass sie ihren Klassenkollegen bei den Präsentationen Aufmerksamkeit schenken und leise sind, muss es auch wirklich leise sein. Wenn nicht ist halt dann ihr Libreto, Schülerausweis, meins oda sie müssen einfach rausgehn.

In Dida trifft das Klischee mit den braven, wissbegierigen Kinder jedoch voll zu. Jeden Mittwoch nachmittag unterrichte ich in dem kleinen Dorf die 3. Und 4. Klasse Volksschule in English. Da es sich um Zusatzunterricht handelt schwankt die Schülerzahl so zwischen 80 und 100 Schülern, und dass in nur einer Klasse mit ca. 10 x 6m. Vorallem bei kleinen Übungen wie dem Vokabelkönig sind die Schüler vor Begeisterung kaum zu bremsen. Da sie aber auch leise sind, wenn sie es müssen, ist die extrem hohe Schüleranzahl hier gar kein Problem.
Vor einer Woche war Regen mehr als ausständig, besonders die Menschen in Dida waren von der Dürre sehr betroffen und hatten kaum etwas zum Essen. Aus diesem Grund teilen wir jetzt jeden Mittwoch 250 Brote an die Schüler der Don Bosco Schule in Dida aus. Meistens bleiben uns noch ca. 50 Brote über, die wir dann unter den vielen Kinder, die am Zaun vor der Schule warten, verteilen. So glücklich es mich auch macht helfen zu können, so sehr schmerzt mich der Anblick der vielen kleinen Kinder, die um die bestens Plätze am Zaun kämpfen. Es hört sich jetzt vielleicht übertrieben und brutal an, aber es macht echt den Anschein, als ob viele von ihnen für das Stückchen Brot echt alles machen würden. Letzten Mittwoch, hat das Austeilen, danke unserer neuen „Strategie“, aber schon gut funktioniert. Die kleinen Kinder kommen ins Projekt rein, müssen sich in Reihen aufstellen und bekommen dann, einer nach dem anderen ein Stück Brot, dass sie dann noch im Projekt essen müssen. Wenn ich die meist aufkommenden Tränen in meinen Augangen dann erfolgreich bekämpft habe, muss ich auch schon wieder meine ganze Energie sammeln um die ca. 250 Kinder dazu zu bewegen sich niederzusetzten und aufmerksam zuzuhören, damit ich ihnen den Verlauf der vielen Turniere (Fußball, Volleyball, Völkerball) berichten kann. Danach gehts dann ab zu den diversen Turnieren. Nach Dida bin ich immer komplett müde und erschöpft, doch mit einem zufriedenen Lächeln.

Letzten Sonntagabend hat es, Gott sei Dank, endlich zum regnen begonnen. Anne und Ich liefen vor Freude, wie Verrückte, im strömenden Regen herum. Tagsüber ist es noch immer sehr heiß, doch abends schüttet es nun täglich wie aus Eimern. Der Regen wird auch oft von einem kräftigen Gewitter begleitet.

Nach nicht einmal 5 Monaten heißt es schon wieder Abschied nehmen. Mit dem Gedanken kann ich mich momentan, auch wenn ich mich noch so sehr auf meine Freunde und Familie freue, überhaupt nich anfreunden. Viel zu schnell verfliegt die Zeit und viel zu viel möchte ich noch machen. Von den vielen grammatikfehlern abgesehen, ist mein (gesprochenes) Amharisch ist mittlerweile echt schon ziemlich gut. Dadurch kann ich nun nicht nur Small-Talk führen sonder mich echt mit den Menschen unterhalten. Auch wenn meine ausdrucksweise oft der eines kleinen Kindes sehr ähneln muss und ich mir oft wie beim Activityspielen vorkommen, wenn ich wieder einmal versuche meinen fehlenden Wortschatz zu umschreiben und dabei mit Händen und Füßen werke. Ich hab Spaß dabei. =)
Je mehr ich auf Amharisch sprechen kann, desto stärker und intensiver werden auch die Freundschaften hier und desto mehr Einblick bekomme ich auch in die faszinierende Kultur der Äthiopier.

Auch wenn ich nach 5 Monaten wieder mit dem Luxus in Österreich leben werde, bin ich mir sicher, dass es für mich doch anders sein wird und ich zu vielem einen anderen Zugang gewonnen habe. Viel zu prägend sind all die Erlebnise und Eindrücke hier. Dass ich, sobald es mein Studentenbudget erlaubt, wieder nach Zway (wenn auch nur auf Besuch) kommen werde, ist auch schon fix.

Noch habe ich zum Glück 5 Monate, in denen ich mein Möglichstes geben und noch viel mehr zurückbekommen werde.